Jungpferde, wild und herzlich - Kofi und Shamal...und Universe

Bewahren Sie die freundliche Offenheit Ihres Jungpferdes und genießen Sie seine frische Haltung zu allem Neuen...




Im späten Herbst beginnt meist die Zeit, in der man sich den Jungpferden bequemer widmen kann, als in der Weidesaison. Sie leben nun in Gruppen am oder im Stall, haben genügend frische Luft, Auslauf und Spielmöglichkeiten, um sich gesund weiter entwickeln zu können. Sie haben alles, was sie im Sommer hatten (außer grasgrünes Gras), plus mehr Kontakt zum Menschen.

Jedes glücklich aufgewachsene Jungpferd hat zwei Schätze im Gepäck, die es zu bewahren gilt: grundsätzliche Kooperationsbereitschaft und Vertrauen.

Junge Pferde reagieren noch sehr instinktiv und müssen sich an viele für uns selbstverständliche Einzelheiten des zivilisierten Pferdelebens erst gewöhnen. Hier beginnen Missverständnisse, die für das Jungpferd oft auf unfaire und folgenreich tragische Art ausgetragen werden.

So ist es für viele Jungpferde zunächst meist stressig, allein mit uns Menschen zu arbeiten. Aber auch das Geben der Hufe, das Tragen eines Gurtes oder das Angebundensein widersprechen ihren Instinkten und müssen behutsam und allmählich als nicht bedrohlich abgespeichert werden.

Wir arbeiten daher erst einmal mindestens mit einem anderen Pferd zusammen auf dem Platz, halten die Arbeitseinheiten kurz und geben unserem jungen Schüler viele kleine Pausen. Der Leitsatz ist, den Stresslevel so niedrig wie möglich zu halten. Bemerken wir, dass wir unbeabsichtigt zu forsch fortgeschritten sind, gehen wir einen Schritt zurück dahin, wo sich unser junger Schüler noch sicher fühlte. Diese Vorgehensweise schont nicht nur die Pferdeseele, sondern sie ist auch für uns Menschen wohltuend freundlich und herzerwärmend. Mütterliche Gefühle tun nämlich gut, und wenn wir uns wie eine Mutterstute verhalten, wohlwollend, aber auch sehr bestimmt, fühl sich das für alle Beteiligten besser an, als wenn wir unbedingt ständig jemandes Chef sein wollen.


Auf der anderen Seite sind unsere Ziele klar definiert. Das Jungpferd soll zum Beispiel lernen, sich von links und rechts führen und anhalten zu lassen, es soll frei und angebunden ruhig stehen, es soll an der Longe gehen, auf Zuruf kommen, an der Aufstieghilfe einparken, gelände- und verkehrssicher sein, auf verschiedenen Untergründen laufen, Hufe geben, sich verladen, putzen, auftrensen und satteln und am Ende natürlich auch reiten lassen.

Teilt man all seine Ziele in kleine Schritte und übt diese beharrlich auf niedrigem Stressniveau, so hat man am Ende ein sicheres, leistungsbereites, vertrauensvolles Reitpferd. Und man hat seine Ziele auf einem Weg erreicht, der die Schätze des Jungpferdes bewahrt hat.


Der braune Kofi ist ungefähr Jungpferd Nummer 93, das ich wirklich gut kennengelernt habe. Kofi war zwar schüchtern, aber auch ein wenig aufbrausend und bewegte sich wie ein Tänzer. Es machte ihm so gar nichts aus, mit mir alleine unterwegs zu sein. In dieser Beziehung war er von Anfang an unerschütterlich.


Im Gegensatz dazu ist der Braunschecke Shamal (ungefähr Jungpferd 114) überhaupt nicht schüchtern, aber es macht ihm sehr viel aus, mit mir allein unterwegs zu sein. Schon gleich drei Mal, wenn wir dann auch noch einem anderen Pferd begegnen. Doch auch er bewegt sich wie ein Tänzer.

Universe, die irgendwo zwischen meinen Jungpferdebegegnungen 93 und 114 liegt, habe ich bei meiner Freundin Beate kennengelernt. Eine wunderbare junge Stute. Sanft und schnell in ihren Reaktionen. Sie sehen sie ganz links, wie sie das Postament erkundet.




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